Der Verkauf der Lebensversicherung stellt häufig eine lohnenswerte Alternative zur Kündigung dar. Doch zum Verkauf müssen Voraussetzungen erfüllt werden. Erfahren Sie im Folgenden von den Risiken und einer möglichen Vorgehensweise.

Was bedeutet der Verkauf einer Lebensversicherung?

Entscheiden sich Versicherte, ihre Lebensversicherung zu verkaufen, so ist der Verkaufspreis nicht in Stein gemeißelt. Denn dieser wird individuell zwischen Käufer und Verkäufer verhandelt. Die Summe richtet sich hierbei am aktuellen Marktwert der Lebensversicherung und den anfallenden Bearbeitungskosten, die auf den Käufer zukommen, aus. Um die Angebote besser bewerten zu können, sollten Versicherungsnehmer den Rückkaufswert ihrer Versicherung kennen.

Versicherungsnehmer treten beim Verkauf alle Ansprüche, die aus dem Vertrag hervorgehen, an den Policenankäufer ab. Hierzu gehört beispielsweise die Zahlung am Vertragsende. Der Policenankäufer verkauft die Verträge an Anleger weiter, welche die Lebensversicherung über die Laufzeit fortführen und so Gewinne erwirtschaften. In den meisten Fällen bleibt die im Vertrag genannte Person bestehen, sodass der Todesfallschutz weiterläuft. Der Betrag, der den Hinterbliebenen im Todesfall ausgezahlt wird, ist allerdings reduziert – hier zieht der Käufer den Kaufpreis der Police sowie die bis dato gezahlten Prämien und Zinsen ab.

Gibt es Voraussetzungen?

Nicht jeder Kunde kann seine Lebensversicherung verkaufen – es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, um diese Option in Anspruch nehmen zu können. Hierzu gehört einerseits der Rückkaufswert der Lebensversicherung. Dieser muss mindestens 5.000 Euro, in den meisten Fällen sogar 10.000 Euro, betragen. Andererseits spielt auch die Restlaufzeit eine Rolle. Ziehen Versicherungsnehmer einen Verkauf in Betracht, so darf die Restlaufzeit der Lebensversicherung 25 Jahre nicht überschreiten. Ein weiterer wichtiger Faktor: Meist können Kunden nur ihre kapitalbildenden Lebensversicherungen verkaufen – fondsgebundene Policen sowie Direktversicherungen werden in der Regel nicht angekauft.

Worauf sollten Versicherungsnehmer achten?

In erster Linie gilt es für Versicherungsnehmer, einen seriösen Käufer zu finden, dem sie ihre Police verkaufen können. Sollte ein Anbieter im „Bundesverband für Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen“ (kurz BVZL) organisiert sein, so können Kunden von einem seriösen Handelspartner ausgehen. Unseriöse Käufer verlangen oft hohe Gebühren oder wollen den Kaufbetrag in Raten an den Verkäufer zahlen – von solchen Angeboten sollten Versicherungsnehmer Abstand nehmen. Ebenso von Investitionen des ausgezahlten Erlöses in geschlossene Fonds des Käufers: Dies stellt ebenfalls eine beliebte Betrugsmasche dar.

Kunden, die ihre Lebensversicherung verkaufen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass mit dem Verkauf auch alle abgeschlossenen Zusatzversicherungen verloren gehen. Ist in der Police der Lebensversicherung eine Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung enthalten, sollten sich Betroffene rechtzeitig um eine alternative Absicherung kümmern. Zwar läuft die Lebensversicherung inklusive des Hinterbliebenenschutzes weiter, dennoch kann der Ankäufer die Police jederzeit kündigen, falls eine Weiterführung nicht gewünscht wird. In diesem Fall erlischt der Schutz für die Hinterbliebenen vollkommen.

Generell sollten Versicherungsnehmer immer verschiedene Angebote von potentiellen Käufern einholen, bevor sie ihre Police verkaufen. So können sie am Ende den höchstmöglichen Betrag für ihre Versicherung erzielen. Hierzu sollten Angebote unbedingt mit dem Rückkaufswert der Lebensversicherung verglichen werden.

Wie können Kunden ihre Lebensversicherung verkaufen?

Um eine Lebensversicherung zu verkaufen oder um erst einmal nur ein Angebot bei einem Käufer einzuholen, reicht der Online-Kontakt mit dem Käufer aus. Hierzu bieten Ankäufer auf ihren Webauftritten potentiellen Kunden die Möglichkeit, ihre Daten, wie beispielsweise Policennummer, Kontaktdaten und Vertragslaufzeit, in ein Online-Formular einzugeben. Nach der erfolgreichen Übermittlung der notwendigen Daten erhalten Versicherungsnehmer per Mail eine sogenannte Informationsvollmacht, die unterschrieben, zusammen mit einer Kopie des Versicherungsscheins, an den Händler zurückgesendet werden muss. So bevollmächtigen Kunden den Policenankäufer, Auskünfte bei der Versicherung einholen zu dürfen sowie die Daten auf deren Richtigkeit hin prüfen zu können. Nach erfolgreicher Überprüfung erhalten Kunden ein Angebot für ihre Lebensversicherung, welches sie annehmen oder ausschlagen können.

Lebensversicherung verkaufen: Die Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile:

  • Keine Steuerabgaben bei Versicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden
  • Todesfallschutz bleibt erhalten
  • Schnelle Auszahlung
  • Mehr Ertrag als bei Kündigung

Nachteile:

  • Zahlung von Kapitalertragssteuer und Solidaritätszuschlag bei Versicherungen, die jünger als zwölf Jahre sind.
  • Steuer (Abgeltungssteuer) wird fällig, wenn Lebensversicherung nach 2005 abgeschlossen wurde und der Kaufpreis höher ist, als die eingezahlten Beiträge.
  • Zusatzversicherungen erlöschen.

Lebensversicherung verkaufen: Wie ist die genaue Vorgehensweise?

  1. Prüfen ob Fortführung der Versicherung nicht sinnvoller ist
  2. Voraussetzungen zum Verkauf checken
  3. Rückkaufswert berechnen
  4. Seriösen Käufer suchen (BVZL)
  5. Daten an Policenankäufer übermitteln
  6. Informationsvollmacht ausstellen
  7. Angebot erhalten
  8. Bei Annahme: Abtretung des Vertrags und Erhalt der Kaufsumme

Verkaufen oder nicht: Welche Alternativen gibt es?

Um nur einen kurzzeitigen, finanziellen Engpass zu überbrücken, lohnt es sich in den meisten Fällen nicht, die Lebensversicherung zu verkaufen. Hier gibt es lukrativere Alternativen:

  • Nach Rücksprache mit dem Versicherer kann eine Lebensversicherung für eine gewisse Zeit beitragsfrei gestellt werden.
  • Auch besteht die Möglichkeit, Beiträge zu stunden. Hier müssen Kunden mit einer späteren Zinsnachzahlung die gestundeten Beträge ausgleichen.
  • Ein Policedarlehen kommt für finanziell angeschlagene Personen in Frage. Hier wird die Lebensversicherung beliehen, anstatt sie zu verkaufen.
  • Ein möglicher Widerruf beendet nicht nur das Versicherungsverhältnis, sondern bringt Kunden auch noch finanzielle Vorteile ein. Dieser ist jedoch an gewisse Voraussetzungen geknüpft.
  • Der Rückkauf bzw. die Kündigung stellt immer die letzte Möglichkeit dar, die angestrebt werden sollte, um aus einer laufenden Lebensversicherung heraus zu kommen.