Eine Lebensversicherung vorzeitig zu kündigen kann sich durchaus lohnen, jedoch nur unter gewissen Umständen. Auf dieser Seite möchten wir allen Kunden, die mit dem Gedanken der Kündigung spielen, einen Leitfaden für das weitere Vorgehen geben.

Lohnt sich die Kündigung einer Lebensversicherung?

Bevor Versicherte voreilig den Schritt wagen, ihre Kapital- oder Risiko-Lebensversicherung vorzeitig zu kündigen, sollte eine gründliche Prüfung aller Beweggründe in Relation zum Nutzen stattfinden. Die zentrale Frage lautet hier „Wann lohnt es sich, eine Lebensversicherung zu kündigen?“ Möglicherweise sprechen doch noch handfeste Gründe für die Weiterführung der Lebensversicherung. Dies ist besonders bei alten Policen, die bis zum Jahr 2004 abgeschlossen wurden, der Fall. Diese sind wegen ihrer hohen Garantiezinsen äußerst lukrativ und sollten nicht gekündigt werden. Ein weiterer Vorteil der Alt-Policen – nach zwölf Jahren sind diese steuerfrei in der Auszahlung.

Ganz im Gegensatz zu den neuen Policen. Aufgrund der aktuell niedrigen Zinslage sind die Überschussbeteiligungen der Versicherer in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Die Folge waren sinkende Renditen – von ehemals über sechs auf gerade einmal drei bis vier Prozent. Da in naher Zukunft auch keine Veränderung der Zinsen zu erwarten ist, müssen Versicherte diesen Umstand hinnehmen oder die Lebensversicherung kündigen und in eine andere Vorsorge für das Alter investieren. Allerdings sollte statt einer teuren Kündigung immer geprüft werden, ob ein Widerruf möglich ist. Ein erfolgreicher Widerruf der Lebensversicherung kann nämlich finanziell interessant sein, da gewisse Kosten des Versicherungsgebers gegebenenfalls ebenfalls zurückerstattet werden.

Soll der Hinterbliebenenschutz der Lebensversicherung jedoch bestehen bleiben, so sollten Kunden die Versicherung keinesfalls kündigen. Mit der Kündigung erlischt dieser Schutz unwiderruflich. Die Lebensversicherung aus finanziellen Gründen zu kündigen, beispielsweise aufgrund von Arbeitslosigkeit, ist ebenfalls keine gute Option. Hier besteht für Versicherte die Möglichkeit, die Police auf beitragsfrei stellen zu lassen. In der beitragsfreien Zeit müssen keine Prämien gezahlt werden – das bereits angesparte Kapital wird jedoch weiterhin verzinst. Sobald Versicherte wieder über ausreichend Kapital verfügen, kann eine beitragsfreie Lebensversicherung wieder aktiviert werden.

Ebenso sollten Versicherte, die nur vorübergehend etwas Kapital benötigen, nicht gleich die Lebensversicherung kündigen. Eine Lebensversicherung zu beleihen bringt günstigere Zinsen als bei einem Ratenkredit – jedoch ist diese Option nur dann sinnvoll, wenn die finanzielle Lücke nur für eine kurze Zeit zu füllen ist. Bestehen hohe Kredit- oder Darlehensverträge, dann ist kündigen durchaus eine Überlegung wert.

Risiko- vs. Kapitallebensversicherungen – was ist der Unterschied?

Zwei Versicherungen, die ähnlich klingen, sich aber in gewissen Punkten stark unterscheiden, sind die Risiko- und die Kapitallebensversicherung. Während Kapitallebensversicherungen ihre Versicherten in zwei Dingen unterstützen, nämlich eine Altersvorsorge und eine Absicherung für die Familie im Todesfall, stehen die Risiko-Lebensversicherungen nur für Letzteres ein.

Auch bei den monatlichen Raten unterscheiden sich die beiden Versicherungen. Während sich bei der Kapitallebensversicherung die Beiträge aus einem Kostenteil für die Verwaltung und einem Risiko- und Sparanteil zusammensetzen, ist für die Risiko-Lebensversicherung nur der Risikoteil zu begleichen. Die Risiko-Lebensversicherung geht demnach mit sehr niedrigen Beiträgen einher.

Fondsgebundene Lebensversicherung kündigen

Eine dritte Variante der Lebensversicherung ist die fondsgebundene Lebensversicherung, die ähnlich wie die Kapitallebensversicherung eine Kombination aus Todesfallschutz und Altersvorsorge bietet. Sollte der Versicherte den vereinbarten Auszahlungspunkt erleben, gibt es eine Auszahlung als Einmalbetrag oder monatliche Zusatzrente. Lebt der Versicherungsnehmer zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, geht die Auszahlung an die Hinterbliebenen. Wie aus dem Namen bereits erkenntlich wird, werden die monatlich eingezahlten Beiträge in Fonds investiert – diese Investmentfonds reichen von Immobilien-, über Aktien- bis zu Rentenfonds. Im Gegensatz zu den klassischen Lebensversicherungen gibt es bei der fondsgebundenen keinen garantierte Versicherungssummer oder Verzinsung, denn diese sind abhängig von der Entwicklung des Investmentfonds. Dadurch ist das Risiko der fondsgebundenen Lebensversicherung zwar höher, die Erträge können jedoch auch viel höher ausfallen.

Natürlich können Sie auch eine fondsgebundene Lebensversicherung immer zum Ablauf des Versicherungsjahres kündigen. Beachten Sie jedoch bei der Kündigung, dass Sie nur den Rückkaufwert der Versicherung zurückerhalten. Darüber hinaus müssen Sie bei den fondsgebundenen Lebensversicherungen bedenken, dass je nachdem wie der tagesaktuelle Wert des Fondsanteils aussieht, der Rückkaufwert sehr viel geringer ausfallen kann als die eingezahlten Beiträge. Sinnvolle Alternativen zum Kündigen der fondsgebundenen Lebensversicherung sind beispielsweise der Widerruf des Versicherungsvertrags, insofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind,  oder aber den Vertrag beitragsfrei zu stellen.

Wie können Kunden ihre Lebensversicherung kündigen?

Hier sollten Versicherte immer den Kontakt zu ihrem Versicherer suchen. Um eine Lebensversicherung vorzeitig zu kündigen, reicht in den meisten Fällen ein formloses Kündigungsschreiben aus. Dieses sollte dem Versicherungsunternehmen in schriftlicher Form zugetragen werden. Einen festgelegten Zeitpunkt, wann Kunden ihre Versicherung am besten kündigen sollten, gibt es nicht. Die Lebensversicherung kann durch den Versicherungsnehmer jederzeit unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist erfolgen. Wichtig ist auch die Rücksendung des Versicherungsscheins an den Versicherer.

Beachten Sie jedoch: Häufig sind Alternativen zur Kündigung deutlich attraktiver. Daher sollten Sie diesen Schritt mit einem Fachmann besprechen.

Mehr zu den Kündigungs-Verfahren bei verschiedenen Versicherungsunternehmen >

Was passiert bei einer Kündigung?

Bei einer erfolgreichen Kündigung einer Lebensversicherung, einem so genannten Rückkauf, erhält der Versicherungsnehmer nicht die tatsächlich bisher eingezahlten Beträge zurück, sondern nur den Rückkaufswert. Dieser liegt in der Regel deutlich unter den gezahlten Beiträgen. Kündigen der Kapital- oder Risiko-Lebensversicherung bedeutet auch: Der Hinterbliebenenschutz geht verloren.

Jedoch gibt es auch weitere Alternativen, um die Lebensversicherung doch nicht kündigen zu müssen. Neben beleihen oder auf beitragsfrei setzen besteht meist die Möglichkeit, die Versicherung zu verkaufen. Der Verkauf einer Lebensversicherung hat den Vorteil, dass der Hinterbliebenenschutz wirksam bleibt und der Erlös aus der Versicherung ein höherer ist, als der ursprüngliche Rückkaufswert.

Mehr zu den Kündigungsfristen >

Vorzeitig kündigen: Die Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile

  • Auszahlungsbetrag steuerfrei bei Vertragsabschluss vor 2005
  • Kündigung lohnt sich, wenn Alternativanlage höheres Ergebnis bietet
  • Lohnenswert bei gleichzeitigem Dispositionskredit

Nachteile

  • Stornogebühr wird fällig
  • Finanzielle Verluste
  • Rückkaufswert geringer als Einzahlung
  • Steuer wird fällig: Abgeltungssteuer bei Kündigung vor dem zwölften Vertragsjahr oder vor dem 60. Lebensjahr

Lebensversicherung kündigen: Wie lange dauert die Auszahlung?

Ist die Kündigung in trockenen Tüchern und seitens der Versicherung bestätigt, so erfolgt die Auszahlung des Versicherungsbetrags meist innerhalb von vier bis sechs Wochen. Diese Zeit kann, je nach Versicherungsunternehmen, jedoch stark variieren. Hier lohnt sich ein Blick in die Vertragsbedingungen der Police. In den Bedingungen sind die genauen Fristen klar geregelt. Sollte sich die Auszahlung verzögern, so sollten Betroffene den direkten Kontakt zu ihrem Versicherer suchen, um auf Ursachenforschung zu gehen.

Mehr zur Auszahlung der Lebensversicherung >

Lebensversicherungen kündigen vs. widerrufen – was ist besser?

Der Widerruf einer Lebensversicherung bewirkt eine Rückwicklung des Vertrags. Das bedeutet konkret, Kunden erhalten die geleisteten Prämien zurück sowie eine angemessene Nutzungsentschädigung für den entgangenen Gewinn. Jedoch ist ein Widerruf nicht in jedem Fall möglich. Die Voraussetzung für einen erfolgreichen Widerruf sind Formfehler in der Widerrufserklärung des Versicherungsvertrags. Laut Experten belaufen sich die fehlerhaften Widerrufsbelehrungen in etwa der Hälfte der Verträge, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden. Ein genauer Blick in die Vertragsunterlagen kann sich also durchaus lohnen.

Ob die Voraussetzungen für einen Widerruf Ihrer Lebensversicherung gegeben sind, prüfen wir gerne mit Ihnen in einem Erstgespräch. Kontaktieren Sie uns dazu einfach.